Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln

Kölner Studenten simulieren internationale Verhandlungen zur Rettung des Weltklimas in Barcelona

"Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen."

Kurt Marti (*1921) - Schweizer Schriftsteller und Pfarrer

Die letzten internationalen Klimakonferenzen in Kopenhagen und Cancun haben ihr Ziel für ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verfehlt. Die Verhandlungen scheinen festgefahren und die eigenen Positionen der Länder stehen in einem scheinbar unüberbrückbaren Gegensatz zueinander.

Vor diesem Hintergrund haben im Mai diesem Jahres einige Studenten der Universitäten Köln und St. Gallen, der Handelshochschule Warschau und der ESADE Barcelona die Positionen einzelner Staaten übernommen und eine Simulation internationaler Klimaverhandlungen im Kontext des Klimarahmenabkommen der Vereinten Nationen (UNFCCC) in Barcelona durchgeführt. Ziel war es trotz schlechter Vorgaben aus der Realität ein verbindliches Klimaschutzabkommen zu verabschieden.

Das eingangs gewählte Zitat beschreibt ziemlich treffend die große Herausforderung, der sich die Studenten in der Simulation dabei stellen mussten. Es galt über den Tellerrand des eigenen Landes hinauszuschauen und neue innovative Wege und Lösungsansätze für den zukünftigen Klimaschutz zu finden. Teil der intensiven Vorbereitungskurse war nicht nur die Auseinandersetzung mit der eigenen Position, also den Interessen und Kapazitäten des eigenen Landes sondern auch mit umweltökonomischen und physikalischen Aspekten des Klimawandels sowie klimapolitische Steuerungsinstrumente, wie Emissionshandelssystemen oder CO2-Steuern. 

Während der zweitätigen Simulation in Barcelona wurden Ideen und Vorschläge in drei Arbeitsgruppen ausgetauscht, diskutiert und angepasst - dazu zählte die Arbeitsgruppe 'Adaptation', 'Mitigation' und 'Trading'. Finale Entscheidungen wurden im Plenum - unter Anwesenheit aller Staaten - nach dem allgemeinen UN-Grundsatz der Einstimmigkeit entschieden. Trotz großzügiger Angebote der Industrieländer bezüglich finanzieller Transfers und eigener Reduktionsziele war besonders die Einbindung von Schwellenländern kompliziert. Verstärkt wurde der Gegensatz noch durch die nachvollziehbare Forderung kleiner Inselstaaten den maximalen Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen, da jegliche Überschreitung dieser Zielmarke ein unweigerliches Versinken dieser Länder zu Folge hätte.

Obwohl große Bereitschaft für Konsens und gegenseitiges Verständnis anderer Positionen herrschte, konnte am Ende kein komplett rechtlich bindendes Abkommen erzielt werden. Wegen des unüberbrückbaren Gegensatzes zwischen den Schwellen- sowie Industrieländern und den Inselstaaten bezüglich des akzeptablen Temperaturanstiegs, der bei einer Festlegung auf weniger als 2 °C große Herausforderungen vor allem an die Schwellenländer gestellt hätte, konnten keine rechtlich verbindlichen Reduzierungsziele für Treibhausgase festgelegt werden! 

Immerhin wurden im Sinne des Zitates von Marti neue Wege im Bereich der Anpassung an den Klimawandel und den Technologietransfer erreicht. Der Klimafond zur Unterstützung der Entwicklungsländer konnte mit festen Zusagen der Industrie- und Schwellenländer im Wert von 100 Mrd. $ gefüllt werden. Außerdem wurden Fortschritte beim Technologietransfer erwirkt - womit beispielsweise die CCS-Technologie (Carbon-Capture and Storage) vollwertiger Teil dieses Transfermechanismus wurde.