Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln

Geschichte des Energiewirtschaftlichen Instituts

1943

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln wird gegründet. Zum Direktor wird Theodor Wessels berufen, Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften und Mitglied im oppositionellen „Freiburger Kreis“ um Erwin von Beckerath. Seine Gründung verdankt das EWI maßgeblich den hartnäckigen Bestrebungen von Fritz Burgbacher, damals Vorstandsmitglied der Rheinische Energie AG (Rhenag). Die Kriegs- und Nachkriegsjahre verhindern jedoch wissenschaftliche Fortschritte.

1945

Die Universität zu Köln führt schon kurze Zeit nach der deutschen Kapitulation den Lehrbetrieb fort. Rund 1.450 Studenten immatrikulieren sich. Die kriegsbedingte Zerstörung hat jedoch auch hier Auswirkungen: Um die chemischen und physikalischen Institute wieder mit Gas versorgen zu können, wird rund ein Drittel der Studenten zu Reparaturarbeiten an den Leitungen herangezogen.

1947

Das EWI nimmt seine Arbeit auf. Fritz Burgbacher ist es, der die ersten Förderer für das EWI gewinnen kann – u. a. RWE und Ruhrgas, aber auch die Stadt Köln. Da er während des Zweiten Weltkriegs „in seiner verantwortlichen Stellung in der Leitung der Rhenag politisch Verfolgten Hilfestellung und Unterschlupf gewährt“, wie es in Burgbachers Entnazifizierungsakte heißt, blieb Burgbacher dem Institut zunächst als Unterstützer, später als Honorarprofessor erhalten. Auch Theodor Wessels behält seine Position als Direktor bei. Eine der ersten Aufgaben ist die Wiederherstellung der Bibliothek, die durch eine Reihe von Bombentreffern im Krieg größtenteils zerstört worden war. Nun werden Bestände aus Archiven, Werks- und Universitätsbibliotheken sowie aus Privatsammlungen in ganz Deutschland akquiriert.

1948

Im Januar findet die erste Energiewirtschaftliche Arbeitstagung des EWI auf Burg Wahn statt. Bereits ein Jahr später wird die Vorläuferveranstaltung der EWI/F.A.Z.-Energiekonferenz aufgrund der großen Teilnehmerzahl in die Räumlichkeiten der Universität verlegt: Statt 70 Gästen wie im ersten Jahr melden sich über 200 Interessenten aus Politik, Industrie und Gewerkschaften an, um über die zukünftige Entwicklung der Energiewirtschaft in West-Deutschland zu diskutieren.

1954

Dr. Karl-Heinz Blömer wird Geschäftsführer des EWI. Blömer, der zuvor gemeinsam mit Alfred Herrhausen, dem späteren Vorstandssprecher der Deutschen Bank, am EWI gearbeitet hatte, erweitert das bisherige Themenfeld des Instituts von Gas- und Stromwirtschaft um die Mineralölwirtschaft, u. a. als Reaktion auf die rasch voranschreitende Motorisierung der Deutschen. Damit tritt das EWI nunmehr an, um die deutsche Energiewirtschaft als Ganzes zu analysieren und zu beraten.

1962

Im Zuge der ersten „Energie-Enquete“ der Bundesregierung nimmt das EWI erstmalig eine Sektorenanalyse vor und prognostiziert die Entwicklung von Energieverbrauch, Energieproduktion und Energieinfrastruktur anhand eigens ermittelter Daten. Mit einem Budget von 2,5 Millionen Deutsche Mark und in dreieinhalb Jahren Arbeit sollte dieses Projekt die westdeutsche Energiepolitik bis in die 70er-Jahre hinein maßgeblich prägen. Auch die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die Vorläuferin der Europäischen Union, zieht das EWI in diesen Jahren mehrfach für Gutachten heran.

1966

Der „Verein ehemaliger Schüler des Energiewirtschaftlichen Instituts e.V.“ wird gegründet. Ziel des noch heute existierenden Vereins, der seit dem Jahr 2010 „EWI Alumni“ heißt, ist der regelmäßige Erfahrungsaustausch auf wissenschaftlicher Basis zwischen dem EWI, der energiewirtschaftlichen Praxis sowie den Ex-Schülern des Instituts durch Vorträge, Workshops und Exkursionen.

1970

Mit der Emeritierung von Theodor Wessels gibt dieser auch den Posten als Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an seinen Nachfolger Prof. Dr. Hans Karl Schneider weiter, der in jungen Jahren bereits am EWI geforscht hatte – als erster und damals einziger Assistent von Institutsdirektor Wessels am neugegründeten EWI. Als Folge der ersten Ölkrise rücken in den 70er-Jahren Fragen der Energieeffizienz in den Fokus der wissenschaftlichen Arbeit am EWI. Unter Schneiders Führung arbeitet das Institut zudem 1982 in der Enquete-Kommission „Zukünftige Energiepolitik“ des Bundestages mit.

1985

Professor Schneider wird zum Ende des Jahres emeritiert. An seine Stelle tritt Prof. Dr. Carl Christian von Weizsäcker. Hohe Preise und die Debatte über die drohende Verknappung des Erdöls bleiben wichtige Treiber der Forschung am EWI. Politik und Unternehmen suchen verstärkt nach Strategien zu alternativen Energiequellen, um die deutsche Abhängigkeit von Ölimporten zu reduzieren. Unter der Leitung von Weizsäckers wächst das Team des EWI auf etwa 20 Mitarbeiter an. Von Weizsäcker ernennt außerdem Prof. Dr. Walter Schulz zum Geschäftsführer, in Nachfolge von Prof. Dr. Dieter Schmitt, der dieses Amt seit 1971 bekleidete.

1990

Mit dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung bricht für Deutschland ein neues Kapitel seiner Geschichte an, das alle Bereiche des Lebens betrifft – natürlich auch die Energiewirtschaft. In den Folgejahren beschäftigt sich das EWI vermehrt mit der Energiewirtschaft in den „neuen“ Bundesländern: Infrastruktur, Kostenentwicklung, Wettbewerb und Ressourcen. 

1995

Der erste Weltklimagipfel, die Klimakonferenz der Vereinten Nationen, findet in Berlin statt. Bereits in den Vorjahren waren Klimaschutz und die Verringerung von Treibhausgasemissionen in den Fokus der nationalen und internationalen Politik gerückt. Schon zwei Jahre zuvor hatte das EWI eine Studie im Auftrag der Enquete-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“ des Deutschen Bundestages angefertigt, die sich mit den Auswirkungen des angestrebten europäischen Binnenmarktes für Strom beschäftigte. Weitere Forschungsprojekte zum Thema Klimaschutz folgen. 

1998

Die Energiebranche erlebt eine kleine Revolution: In Deutschland tritt die Novelle zum Energiewirtschaftsgesetz in Kraft. Damit wird die EU-Richtlinie zum Elektrizitätsmarkt, die eine Liberalisierung zum Ziel hat, auf nationaler Ebene umgesetzt. Im Vorfeld hatte das Bundesministerium für Wirtschaft umfassende Untersuchungen zur Struktur der deutschen Energiewirtschaft in Auftrag gegeben. Auch das EWI beteiligte sich mit Studien wie „Möglichkeiten wettbewerblicher Reformen in der Energiewirtschaft" (1993), „Economic Consequences of Increased Competition in Energy Markets (Electricity and Gas) in the European Union: A Scoping Study“ (1996) oder „Konzentration und Wettbewerb in der deutschen Energiewirtschaft“ (1997) an der Debatte über die umfassende Liberalisierung der Energiemärkte.

2002

Carl Christian von Weizsäcker übergibt die Leitung des EWI an Prof. Dr. Axel Ockenfels. Mit mehreren Studien analysiert das EWI unter seiner Führung in den folgenden Jahren die Folgen des Emissionshandels. Das EWI entwickelt zudem Szenarien über die Entwicklung der Energiemärkte bis zum Jahre 2030 und analysiert die Auswirkungen alternativer Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken in Deutschland.

2004

Das im Jahr 2000 in Kraft getretene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird novelliert. Im selben Jahr veröffentlicht das EWI eine umfassende Untersuchung über „Gesamtwirtschaftliche, sektorale und ökologische Auswirkungen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes“. Regenerative Energien wie Sonne, Wasser und Wind sind nicht erst seitdem fester Bestandteil der Forschungsarbeit am Energiewirtschaftlichen Institut.
Außerdem wird PD Dr. Dietmar Lindenberger, der bereits seit 2000 als Senior Researcher am EWI tätig war, im April zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen. Prof. Dr. Walter Schulz, der Mitte der 80er Jahre die Geschäftsführung des EWI übernommen hatte, geht in den Ruhestand.

2005

EWI-Direktor Axel Ockenfels wird mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet und konzentriert sich fortan auf seine eigene Forschung. Mit Unterstützung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und im Zuge einer vorgezogenen Neubesetzung einer frei werdenden Stelle schafft die Wiso-Fakultät der Universität zu Köln eine neue Professur für die Leitung des EWI.

2007

Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge löst Prof. Ockenfels als Direktor des EWI ab. Ein gutes Jahr später schließt die Förderergesellschaft des EWI mit dem Land Nordrhein-Westfalen, der Universität zu Köln sowie den Unternehmen E.ON und RWE einen neuen Rahmenvertrag über die Förderung des EWI ab. Die neue Förderung ermöglicht einen erheblichen Ausbau des EWI – so können neben dem Institutsdirektor zwei weitere W3-Professoren berufen werden. Das Institut setzt sich zum Ziel, zu einem in Europa führenden Institut für energiewirtschaftliche Forschung zu werden. Das neue Institut braucht bald mehr Platz: Im Jahr 2009 verlässt das EWI das Gelände der Universität und zieht in die Alte Wagenfabrik in Köln-Ehrenfeld, eine ehemalige Fabrik für Elektrofahrzeuge.

2010

Um über eine Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke zu entscheiden, die die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart hat, beauftragen das Bundeswirtschafts- und das Bundesumweltministerium gemeinsam das EWI und zwei weitere Forschungsinstitute mit einem Gutachten. In den „Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung“ berechnen die Institute, welche Folgen verschiedene Laufzeitverlängerungen auf die Strompreise, den Strom-Mix und die Versorgungssicherheit hätten.

2011

Anfang des Jahres wird Prof. Dr. Felix Höffler stellvertretender Vorsitzender der EWI-Geschäftsführung. Der Regulierungsökonom widmet sich dem Aufbau der Grundlagenforschung. Bereits im September 2010 war PD Dr. Christian Growitsch als Direktor für Anwendungsforschung vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH (WIK) in Bad Honnef ans EWI gewechselt.

2012

Die bisherige Stiftungsprofessur für Energiewirtschaft von Professor Dr. Marc Oliver Bettzüge am Staatswissenschaftlichen Seminar der Universität zu Köln wird von der Universität nun selbst getragen. Die Kölner Hochschule löst damit planmäßig den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ab, der seit 2007 die Finanzierung der Professur sichergestellt hatte.

2013

Das EWI liefert im Rahmen der Trendstudie Strom 2022 erstmals einen umfassenden Belastungstest der Energiewende. Zentrale Einflussgrößen der Energiewende werden hinsichtlich ihrer Wirkung auf die energiepolitischen Zielkategorien Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit geprüft. Einflussgrößen sind der Ausbau der Übertragungsnetze, die Steigerung der Energieeffizienz, die Errichtung neuer Kraftwerke, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Brennstoff- und CO2-Preisentwicklung.

2014

PD Dr. Christian Growitsch verlässt nach vier Jahren als Mitglied der Geschäftsleitungs das EWI und wechselt in die Geschäftsleitung des HWWi.

2015

Im Juni tritt neben das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln eine neue, gemeinnützige Gesellschaft, namens ewi Energy Research & Scenarios (ewi ER&S). Unter der Leitung von Dr. Christina Elberg und Dr. Harald Hecking werden die praxisorientierte Forschung des Instituts sowie die vielfältigen Drittmittelprojekte für Wirtschaft und Politik gebündelt. Das Institut konzentiert sich auf Grundlagenforschung und die Unterstützung der Doktorandenausbildung und wird in wissenschaftlichen Fragen weiterhin eng mit ewi ER&S wird in zusammenarbeiten.