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Ausgaben für das Stromsystem steigen schneller als die Inflation

Ausgaben für das Stromsystem steigen schneller als die Inflation
Veröffentlicht am:12. Januar 2026

Die Ausgaben für den Ausbau und Betrieb des Stromsystems bestehen aus verschiedenen Komponenten. Eine konsolidierte Übersicht über ihre Höhe, Verwendung und Verteilung legt das EWI für die Jahre 2010 bis 2024 vor.

Die Ausgaben für das Stromsystem in Deutschland sind seit dem Jahr 2010 bis zum Jahr 2024 real um durchschnittlich 4,1 Prozent gestiegen. Strom ist im Durchschnitt der Verbrauchsgruppen stärker teurer geworden als das allgemeine Preisniveau. Der Anteil des Stromnetzes an den Gesamtausgaben ist dabei spürbar auf 26 Prozent gestiegen und staatliche Ausgaben wurden zunehmend relevanter.

In der Analyse „Ausgaben für das Stromsystem in Deutschland – Eine Diskussion der historischen Entwicklung“ untersucht ein Team des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) an der Universität zu Köln, wie sich die Komponenten der Systemausgaben entwickelt haben. Die Analyse unterscheidet die Höhe der Ausgaben, ihre Verwendung (Erzeugung/Netz) und ihre Verteilung (privat/öffentlich). Die Publikation wurde im Auftrag der Gesellschaft zur Förderung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln e. V. erstellt.

Anteil der Ausgaben für das Stromnetz ist gestiegen

Im Jahr 2024 betrugen die gesamten Systemausgaben 30 Cent2024 pro abgenommener Kilowattstunde (kWh) der allgemeinen Stromversorgung ohne Eigenverbrauch und Direktimporte ausländischer Versorger. Ein Teil des Ausgabenanstiegs seit dem Jahr 2010 ist durch den Rückgang des Stromverbrauchs um durchschnittlich 6,5 TWh pro Jahr begründet. „Eine sinkende Nachfrage verringert die Kapitalauslastung und erhöht so die volkswirtschaftlichen Ausgaben pro verbrauchter Stromeinheit“, sagt Dr. Philip Schnaars, Head of Research Area am EWI, der die Analyse zusammen mit Amir Ashour Novirdoust, Philipp Artur Kienscherf, Lisa Restel und Philipp Theile erstellt hat.

Abbildung: Entwicklung der Stromsystemausgaben seit 2010

Die verringerte Kapitalauslastung erhöht insbesondere die Ausgaben im Stromnetz, da hier die Ausgaben weniger mit sinkender Nachfrage zurückgehen als in der Stromerzeugung. Durch diesen Effekt und die zunehmenden Investitionen in das Übertragungs- und Verteilnetz ist der Anteil der Netzausgaben an den Gesamtausgaben von durchschnittlich 19 Prozent in den Jahren 2010 bis 2014 auf 26 Prozent in den Jahren 2020 bis 2024 gestiegen.

Die Stromsystemausgaben bestehen aus mehreren Bestandteilen für Erzeugung, Vertrieb und Netz, die teils von privaten, teils von öffentlichen Akteuren getragen werden. Es ist eine politische Entscheidung, welchen Anteil die Stromverbraucher tragen und in welchem Umfang öffentliche Haushalte die Finanzierung des Stromsystems bezuschussen. Im Zuge der Energiekrise ab dem Jahr 2022 wurden vermehrt staatliche Mittel, beispielsweise in Form der Strompreisbremse oder der Zuschüsse zum EEG-Konto, verwendet.

2023 waren die öffentlichen Stromsystemausgaben höher als die Einnahmen

Bisher haben überwiegend private Akteure die Stromsystemausgaben der allgemeinen Versorgung getragen. Seit Beginn der 2020er Jahre und verstärkt durch die Energiekrise sind die öffentlichen Ausgaben für das Stromsystem gestiegen. Im Jahr 2024 übernahmen öffentliche Akteure 24 Prozent der Ausgaben für Erzeugung und Vertrieb.

„Mit der Übernahme von Ausgaben durch öffentliche Akteure deutet sich ein Wandel der Finanzierung des Stromsystems an“, sagt Dr. Philip Schnaars. Infolgedessen war der öffentliche Saldo zwischen den Einnahmen aus dem Stromsystem (z. B. Stromsteuer) und den Ausgaben für das Stromsystem erstmals negativ.

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