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Berliner Wissenschaftsgespräch zum integrierten Strommarktdesign

Berliner Wissenschaftsgespräch zum integrierten Strommarktdesign
Veröffentlicht am:27. März 2026

Das EWI hat gemeinsam mit dem Forum für Zukunftsenergien das zweite „Berliner Wissenschaftsgespräch zur Energiewirtschaft“ veranstaltet. In Impulsvorträgen und Podiumsdiskussionen sprachen Fachleute zum Thema „Integriertes Strommarktdesign“.

Das deutsche Energiesystem wandelt sich. Dazu trägt nicht nur der kontinuierliche Ausbau der erneuerbaren Energien bei, sondern auch weitere Entwicklungen wie beispielsweise im Bereich Batterien und Rechenzentren. Wie muss der Strommarkt ausgestaltet werden und welche regulatorischen sowie marktseitigen Rahmenbedingungen sind nötig, um die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern?

Angesichts dieser Fragen hat das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) gemeinsam mit dem Forum für Zukunftsenergien das zweite „Berliner Wissenschaftsgespräch zur Energiewirtschaft“ in der Berliner Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen veranstaltet, diesmal zum Thema „Integriertes Strommarktdesign“. Gegenstand der Veranstaltungen waren insbesondere die Netzintegration erneuerbarer Energien und Flexibilitäten im Kontext der Versorgungssicherheit sowie auf der Verbrauchsseite.

„Zahlen, Daten, Fakten – Sachliche Einordnung“ mit Impulsvorträgen und Diskussion

Im ersten Teil der Veranstaltung ging es zunächst um die Netzintegration erneuerbarer Energien. Jun.-Prof. Dr. Oliver Ruhnau, Research Scientist am EWI, sprach zur Überbauung von Netzanschlüssen, also die Überdimensionierung der installierten Leistung von Wind- und Solaranlagen im Vergleich zum Netzanschluss. Er diskutierte, wie ein effizientes Maß an Überbauung durch Baukostenzuschüsse angereizt werden könnte, wie sich dadurch Systemkosten einsparen ließen und welche Umverteilungseffekte sowie Wechselwirkungen mit anderen Elementen des Strommarktdesigns sich ergeben könnten. Anschließend erklärte Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie die Regulierung von Netzanschluss bzw. Netzeinspeisung von erneuerbaren Energien.

Zum Themenkomplex Flexibilität im Kontext der Versorgungssicherheit sprach zunächst Prof. Karsten Neuhoff, Head of Climate Policy Department am DIW Berlin über Flexibilitäten im Zusammenhang mit einer strategischen Reserve, anschließend Dr. Lisa Just, Head of Research Area am EWI zu Flexibilität in Kapazitätsmärkten. „Batterien können einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten und den Bedarf an residualer gesicherter Leistung, z.B. Gaskraftwerken, reduzieren. Aber diese reduzierende Wirkung nimmt mit zunehmender Marktdurchdringung von Batterien ab“, erklärte Lisa Just.

Unter dem Titel „Unlocking flexibility: Flexibilität auf Verbrauchsseite“ trugen Arne Lilienkamp, Project Lead am EWI, sowie Dr. Janina Ketterer, Head of German System Change bei Octopus Energy Germany vor. Gegenstand der Vorträge war die Schaffung von Rahmenbedingungen zum Einsatz verbrauchsseitiger Flexibilität unter Berücksichtigung von Markt- und Netzsignalen.

Bialek-Gregory: „Es fehlt das große Bild“

Im anschließenden Podiumsgespräch zwischen Sylwia Bialek-Gregory, Ph.D., wissenschaftliche Geschäftsführerin des EWI, und Stefan Lochmüller aus dem Bereich Energiepolitik und Gremien bei der N-ERGIE AG, ging es unter anderem um die Verbesserungspotenziale bei der Integration des deutschen Strommarktdesigns. „An vielen Stellen haben wir ein Nebeneinander historischer Lösungen, die Ausgestaltungselemente sind nicht optimal aufeinander abgestimmt“, sagte Bialek-Gregory. Ein Beispiel dafür seien die Interaktionen zwischen Verbrauchern und Netzen sowie Einspeisern und Netzen. „Diese mangelnde Abstimmung führt zu Ineffizienzen und erhöht die Gesamtsystemkosten“, so Bialek-Gregory.

Aktuell gebe es viele Initiativen, das Strommarktdesign anzupassen. „Diese sind grundsätzlich gut und wichtig, stellen jedoch häufig einen Flickenteppich an kleinen Maßnahmen dar“, erklärte Bialek-Gregory. Die Interaktionen zwischen den Maßnahmen seien oft noch nicht verstanden. „Es fehlt das große Bild.“

Die Panels wurden moderiert von Karsten Wiedemann, Redaktionsleiter Tagesspiegel Background. Die Podiumsdiskussion moderierte Ulrike Drachsel, Geschäftsführerin des Forums für Zukunftsenergien.

Das „Berliner Wissenschaftsgespräch zur Energiewirtschaft“ ist ein Arbeitsformat, welches das EWI und das Forum für Zukunftsenergien im November 2024 erstmalig zum Thema „Strompreise“ ausgerichtet hatten und das auch künftig regelmäßig zu aktuellen Fragen der zunehmend komplexen Energiemärkte stattfinden soll. „Wir freuen uns auf die kommenden Ausgaben des Berliner Wissenschaftsgesprächs zu weiteren spannenden Themen“, kündigte Drachsel die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit an.