Die RFNBO-Kriterien legen fest, welcher Strom zur Produktion von grünem Wasserstoff eingesetzt werden darf. Welche Auswirkungen diese Kriterien auf Kosten und Kapazitäten im Wasserstoffmarkt haben, wurde beim Webinar EWI-Insights diskutiert.
Im Rahmen der Webinar-Reihe EWI-Insights haben die Forschenden Jun.-Prof. Dr. Oliver Ruhnau und Tobias Leibfritz die Ergebnisse zweier aktueller Veröffentlichungen zu den Kriterien zur Produktion von grünem Wasserstoff („renewable fuels of non-biological origin“, kurz RFNBO) vorgestellt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr.-Ing. Ann-Kathrin Klaas.
Jun.-Prof. Dr. Oliver Ruhnau, Research Scientist am EWI, präsentierte im ersten Teil das neue EWI Working Paper „Green hydrogen support with overlapping climate policies“. Darin zeigt er mit seinem Co-Autor Prof. Dr. Paul Lehmann, dass Wasserstoffförderpolitik ohne RFNBO-Kriterien Subventionen für erneuerbare Energien reduzieren und erneuerbaren Strom marktbasiert erhöhen kann. Das führen die Autoren darauf zurück, dass die zusätzliche Stromnachfrage die Marktwerte für erneuerbaren Strom erhöht. Jedoch kann die zusätzliche Stromnachfrage auch die Strompreise insgesamt und den CO2-Preis im Emissionshandel erhöhen. Die RFNBO-Kriterien können den Anstieg der Emissions- und Strompreise zwar dämpfen, erhöhen jedoch die Wasserstoffpreise und die Subventionen für erneuerbare Energien. Die wasserstoffbedingten Systemkosten steigen um 2 bis 7 Prozent. „Wenn Wasserstoffelektrolyse allerdings flexibel auf Strompreise reagiert, kann dies sowohl Emissions- und Strompreise als auch die Systemkosten senken“, sagt Ruhnau.
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Research Associate Tobias Leibfritz die EWI-Studie „Green hydrogen production under RFNBO criteria“ vor, welche die Effekte der RFNBO-Kriterien aus zwei Perspektiven betrachtet: einerseits aus Systemperspektive in einem entwickelten europäischen Wasserstoffmarkt, andererseits aus Sicht eines einzelnen Akteurs zum aktuellen Zeitpunkt, also zu Beginn des Markthochlaufs. Für die Analyse wurden die EWI-Modelle HYEBRID (Systemperspektive) und SOPHIAA (optimale Stromversorgung eines Elektrolyseurs) eingesetzt. Aus Systemperspektive fallen die Auswirkungen der RFNBO-Kriterien eher gering aus; damit sich ein solches System einstellt, ist jedoch ein Markthochlauf erforderlich. „Dafür müssen Projekte auch zum aktuellen Zeitpunkt wirtschaftlich sein“, sagt Leibfritz. „Die Business-Case-Perspektive zeigt, dass die RFNBO-Kriterien die Produktionskosten für grünen Wasserstoff in Deutschland um bis zu 20 Prozent erhöhen können und damit aus Sicht der Projektierer den Markthochlauf erschweren.“
Die Online-Workshop-Reihe EWI-Insights findet seit dem Jahr 2020 etwa viermal jährlich statt und richtet sich an Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die an wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Energiewelt interessiert sind. Forschende des EWI bieten Einblicke in aktuelle Studien und Analysen des Instituts. Informationen über aktuelle Veranstaltungen des EWI finden sich hier.