Mit der Memorial Lecture würdigt das EWI seinen verstorbenen Direktor Felix Höffler. Prof. Natalia Fabra vom Zentrum für Geld- und Finanzstudien (CEMFI) in Madrid sprach über die Bedeutung und das Design von Langzeitverträgen für die Energiewende.
Natalia Fabra vom Centro de Estudios Monetarios y Financieros (CEMFI) in Madrid ist die diesjährige Preisträgerin der Felix Höffler Memorial Lecture. Die spanische Professorin für Wirtschaftswissenschaften wurde am 5. Februar in Köln ausgezeichnet und hielt an der Kölner Universität eine Vorlesung über das Design von Langzeitverträgen für die Energiewende.
Die Veranstaltung begann mit einer Begrüßung durch Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge, der an das Wirken des verstorbenen EWI-Direktors Felix Höffler erinnerte. Die Lecture-Reihe widmet sich in seinem Andenken aktuellen und fundamentalen Fragen der Energiewirtschaft.
In ihrer Analyse identifizierte Fabra das sogenannte Gegenparteirisiko bei privaten Langzeitverträgen als wesentliches Investitionshemmnis. Das Problem: Sinkt der Strommarktpreis unter den vertraglich fixierten Preis, steigt für den privaten Abnehmer der Anreiz, den Vertrag nachzuverhandeln oder gar zahlungsunfähig zu werden. Diese Unsicherheit führt zu höheren Risikoprämien, was die Kapitalkosten für die Energiewende unnötig in die Höhe treibt.
Als effizientere Alternative leitete Fabra die Notwendigkeit staatlich abgesicherter Differenzverträge (CfDs) her, mahnte dabei jedoch ein differenziertes Vorgehen an. Ein „One-size-fits-all“-Ansatz sei ökonomisch ineffizient. Stattdessen sollten die Verträge die spezifischen Eigenschaften der Technologien berücksichtigen. Für steuerbare Technologien empfahl Fabra eine teilweise Aussetzung gegenüber Marktpreisen, um Anreize für eine systemdienliche Produktion zu erhalten.
Bei fluktuierenden Erneuerbaren wie Wind und Solar hingegen, deren Erzeugung exogen vom Wetter bestimmt wird, führe Preisexposition lediglich zu höheren Risiken ohne Lenkungswirkung. Hier seien Verträge optimal, die feste Zahlungen an die tatsächlichen Output Zahlungen koppeln, um die produktivsten Standorte auszuwählen. Dieser institutionelle Rahmen sei für den Erfolg der Transformation ebenso entscheidend wie der technologische Fortschritt selbst.
Im Anschluss an den Vortrag nutzten die anwesenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Gäste aus der Praxis die Gelegenheit zur Diskussion. Der Abend klang mit einem persönlichen Austausch aus, ganz im Sinne des wissenschaftlichen Dialogs, den Felix Höffler stets gefördert hat.
Am Tag darauf widmete sich Natalia Fabra dem intensiven Austausch mit den Promovierenden des Energiewirtschaftlichen Instituts. In einem weiteren Vortrag gab sie einen breiteren Überblick über ihre Forschungsschwerpunkte. Daran schloss sich eine „Paper Clinic“ an, in der die Promovierenden ihre eigenen aktuellen Forschungsvorhaben präsentierten und konstruktives Feedback von der Expertin erhielten.
Das EWI richtet die Festveranstaltung „Felix Höffler Memorial Lecture“ regelmäßig aus zu Ehren des früheren EWI-Direktors Felix Höffler. Höffler, ab dem Jahr 2011 Professor für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität zu Köln und Direktor des EWI, war am 4. Februar 2019 nach längerer schwerer Krankheit verstorben. Da ihm insbesondere die Internationalisierung des Instituts sowie die Förderung der Promovierenden wichtig war, halten international renommierte Fachleute aus der Ökonomie den Festvortrag und treten darüber hinaus im Rahmen ihres Aufenthalts auch in den fachlichen Austausch mit dem Team des EWI.
Die bisherigen Preisträger der Felix Höffler Memorial Lecture waren Matti Liski von der Aalto University, Shmuel S. Oren von der University of California at Berkeley sowie Richard Green, Professor am Imperial College London.