Europas Gasspeicher sind Ende Juli 2026 nur zur Hälfte gefüllt – der zweitniedrigste Stand für diesen Zeitpunkt seit dem Jahr 2016. Um bis November einen Winterpuffer von 80 Prozent zu erreichen, müssten sich die LNG-Einfuhren mehr als verdoppeln.
Seit Beginn des Krieges im Mittleren Osten im Februar 2026 hat sich der europäische Gaspreis für kurzfristige Lieferungen fast verdoppelt: Der Preis für August ist am Handelspunkt TTF von rund 30 auf ungefähr 56 Euro je Megawattstunde gestiegen. Zugleich sind die Gasspeicher ungewöhnlich niedrig gefüllt. Europa müsste seine LNG-Einfuhren bis zum Winter stark steigern, um einen ausreichenden Speicherpuffer aufzubauen.
Das zeigt die Analyse „Gasbilanzanalyse Juli 2026 – Speicherstände, LNG-Konkurrenz und Terminpreise“ des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI). Sie bewertet die Lage am europäischen Gasmarkt anhand der Speicherfüllstände, der benötigten LNG-Auslastung, der TTF-Terminkurve und des globalen Wettbewerbs um LNG-Ladungen.
Füllstände der Gasspeicher so niedrig wie zuletzt im Jahr 2021
Ende Juli 2026 sind die Speicher in der EU und im Vereinigten Königreich zu rund 55 Prozent gefüllt – für dieses Datum der zweitniedrigste Wert seit dem Jahr 2016; nur im Jahr 2021 lag er niedriger. Ursache sind ein kalter Winter mit hoher Ausspeicherung und eine langsame Einspeicherung im Frühjahr. Seit der Reform der EU-Füllstandsvorgaben im Jahr 2025 ist der praktisch maßgebliche Zielwert für die Speicherfüllstände rund 80 Prozent zum 1. November. Dazu wären derzeit etwa 275 Terawattstunden zusätzliches Gas nötig.

LNG ist das teure Grenzangebot
Dieses zusätzliche Gas müsste aktuell vor allem aus Flüssigerdgas (LNG) kommen, denn die Pipeline-Importe sind begrenzt und die europäische Förderung sinkt. Die Auslastung der Importterminals müsste dafür von derzeit rund 29 auf etwa 70 Prozent steigen, was mehr als eine Verdopplung der Einfuhren bedeuten würde. Der Engpass sind dabei allerdings nicht die Terminals selbst, sondern die verfügbaren Mengen auf dem globalen LNG-Markt. Denn seit März 2026 liegt der asiatische Referenzpreis JKM über dem europäischen TTF, sodass LNG-Ladungen aktuell vermehrt nach Asien verkauft werden.
„Europa hat genügend Importterminals aufgebaut, aber sich nicht mit genügend LNG eingedeckt. Ob die Gasspeicher rechtzeitig befüllt werden, entscheidet sich am Weltmarkt – und dort konkurriert Europa direkt mit Asien um das LNG-Angebot“, sagt Hendrik Diers, Senior Research Associate am EWI, der die Analyse erstellt hat. „Solange der Konflikt im Mittleren Osten anhält und die Nachfrage nicht sinkt, bleiben die Gaspreise erhöht.“