In der Gaskrise 2022/2023 haben sich die Ausgaben im Gassystem verdoppelt. Insbesondere Beschaffung und Vertrieb von Erdgas wurden deutlich teurer. Das zeigt ein neues Kurzgutachten des EWI zu den historischen Ausgaben des Gassystems in Deutschland.
Die Ausgaben im Gassystem setzen sich zusammen aus Ausgaben für Beschaffung und Vertrieb und Ausgaben für das Gasnetz. Im Rahmen der Gaskrise in den Jahren 2022 und 2023 haben sich die Ausgaben für die Beschaffung und den Vertrieb von Erdgas im Durchschnitt verdoppelt. Von 2010 bis 2021 betrugen die Gesamtausgaben des Gassystems unter 5,2 ct/kWh, seit 2022 durchschnittlich ca. 9 ct/kWh, bei sinkendem Verbrauch. Ein Teil der Ausgabensteigerung wurde vom Bundeshaushalt abgefangen. Die Ausgaben für das Gasnetz blieben dagegen weitgehend konstant. Das zeigt das Kurzgutachten „Ausgaben für das Gassystem in Deutschland – Eine Analyse der historischen Entwicklung“, welches das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) im Auftrag der Gas- und Wasserstoffwirtschaft e.V. verfasst hat.
Das Gutachten analysiert die Ausgaben für das deutsche Gassystem im Zeitraum von 2010 bis 2024. Im Fokus stehen dabei beobachtbare Zahlungsströme, die als Näherung für die tatsächlich angefallenen Systemkosten herangezogen werden können. Dabei wird zwischen Ausgaben für Beschaffung und Vertrieb und für das Netz unterschieden. Die erste Position umfasst auch die CO2-Bespreisung, beschaffungsseitige Umlagen wie die Gasspeicherumlage und öffentliche Ausgaben im Zusammenhang mit der Gaskrise. Die Ausgaben für das Netz werden über die gezahlten Netzentgelte abgeschätzt und umfassen ebenfalls zusätzliche netzseitige Umlagen und Abgaben.
Die Gaskrise führte zu höheren Ausgaben als Einnahmen im Bundeshaushalt
Bis einschließlich 2021 wurden die Ausgaben im Gassystem vollständig privat getragen. Erst mit der Gaskrise 2022 übernahm der Bundeshaushalt Teile der Ausgaben für Beschaffung und Vertrieb. Die öffentlichen Mittel entfielen dabei vor allem auf die Gaspreisbremse und die Dezember-Soforthilfe. Hinzu kamen Zuschüsse für LNG-Terminalinfrastruktur sowie Maßnahmen im Zusammenhang mit Gasreserven. In der Folge ging der öffentliche Saldo des Gassystems zunächst deutlich zurück und wurde 2023 negativ. Das bedeutet, dass die öffentlichen Einnahmen aus Energie- und Mehrwertsteuer, Konzessionsabgabe sowie CO2-Bespreisung niedriger waren als die öffentlichen Ausgaben, die in das Gassystem flossen.

Neben den staatlichen Krisenmaßnahmen trug auch die CO₂-Bepreisung seit 2021 wesentlich zum Anstieg der Ausgaben bei. CO2-Emissionen wurden seit 2013 zunächst über den EU ETS 1 bepreist. Der EU ETS 1 betrifft einen Großteil der Gasverbraucher im Industrie- und Energiesektor. „Ab 2021 wurde die CO2-Bepreisung zu einem signifikanten Kostenparameter der Ausgaben im Gassystem. Dies lässt sich insbesondere auf den starken Anstieg der Zertifikatpreise im EU ETS 1 zurückführen, aber auch auf die Einführung des nationalen Emissionshandelssystems (nEHS),“ sagt Dr.-Ing. Ann-Kathrin Klaas, die das Gutachten mit Jan Hendrik Kopp und Carina Schmidt verfasst hat. Das nEHS betrifft vor allem den Gasverbrauch privater Haushalte sowie des Sektors Gewerbe, Handel und Dienstleistungen.
Gasnachfrage durch Gaskrise stark beeinflusst
Zwischen 2010 und 2021 ist die Gasnachfrage laut Statistiken der AG Energiebilanzen e.V. von 978 TWh um ca. 4 Prozent auf 1018 TWh gestiegen. Mit der Gaskrise ist ab dem Jahr 2022 allerdings ein deutlicher Rückgang der Nachfrage verzeichnet worden. Den größten Einfluss hatte die Gaskrise auf den Industriesektor: von 2021 auf 2022 ist die Nachfrage in der Industrie um über 30 Prozent gesunken. Seit 2022 ist der Gasverbrauch im Industriesektor als auch im Energiesektor wieder leicht angestiegen, verblieb jedoch unter dem Vorkrisenniveau. In den Sektoren Gewerbe, Handel, Dienstleistung (GHD) und private Haushalte zeigt die Gasnachfrage seit der Gaskrise eine sinkende Tendenz. Insgesamt lag der Gesamtgasverbrauch im Jahr 2024 bei 841 TWh und damit 17 Prozent unterhalb des bisherigen Spitzenwerts von 2021.