Großbatteriespeicher gelten als wichtiger Baustein der Energiewende und sind vielfältig einsetzbar. In einer aktuellen Analyse untersucht das EWI die Rolle und Potenziale von Großbatteriespeichern in technischer, ökonomischer und regulatorischer Hinsicht.
Großbatteriespeicher erleben derzeit einen dynamischen Markthochlauf. Ihre sinkenden Kosten und der volatilere Strompreis treiben Investitionen und Projektentwicklungen. Verschiedene Abschätzungen zeigen, dass das Erlöspotenzial von Batteriespeichern im aktuellen Marktumfeld deutlich über ihren Kosten liegt. Das spiegelt sich auch in der hohen Zahl an Netzanschlussanfragen wider, die die derzeit installierte Leistung um ein Vielfaches übersteigen. Das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) hat in einer neuen Analyse die Markt-, Technologie- und Regulierungsentwicklungen von Großbatteriespeichern untersucht.
Technisch sind Batteriespeicher vielseitig einsetzbar. Neben marktdienlichem Einsatz und Frequenzhaltung ermöglichen sie zunehmend auch nicht-frequenzgebundene Systemdienstleistungen. Gleichzeitig bleibt ihre Rolle durch den begrenzten Energieinhalt auf kurzfristige Flexibilität fokussiert. Entscheidend für eine effiziente Nutzung und Vermarktung ist eine Cross-Market-Optimierung: Erlöserwartungen werden marktübergreifend gebildet und die Vermarktung flexibel an die jeweils attraktivsten Optionen angepasst.
Abbildung 1: Beispielhaftes Ergebnis einer eintägigen Cross-Market-Optimierung eines 10-MW Batteriespeichers.
Erlöse aus Arbitragehandel voraussichtlich stabiler als Erlöse aus Frequenzhaltung
Auf der Marktseite zeigt sich eine deutliche Verschiebung der Erlöspotenziale von der Frequenzhaltung hin zu den Spotmärkten. Sowohl interne als auch externe Analysen deuten für die Zukunft darauf hin, dass Erlöse aus dem Arbitragehandel auf Spotmärkten einen vergleichsweise stabilen Erlöspfad über die nächsten Jahre bieten können. Risiken bestehen jedoch neben allgemeinen Marktentwicklungen auch im sogenannten Kannibalisierungseffekt: Liegen die Erlöse aus Batteriespeichern aktuell noch deutlich über den jährlichen Kosten, könnten Preisspreads und damit die Marge mit zunehmendem Ausbau von Batteriespeichern sinken – ein Effekt, der beispielsweise in Kalifornien bereits empirisch beobachtet wurde.
Demgegenüber stehen die Erlösperspektiven auf den Regelenergiemärkten unter stärkerem Druck. Bei weitgehend konstantem Bedarf an Regelleistung führt der steigende Zubau von Batteriespeichern zu einer schnellen Marktsättigung, da das Angebot die Nachfrage zunehmend übersteigt. In der Folge ist insbesondere bei der Primär- und Sekundärregelleistung mit rückläufigen Erlösen zu rechnen.
Regulatorik bietet Chancen und Risiken
Regulatorisch bleibt das Umfeld für Großbatteriespeicher herausfordernd. Erste Hürden beim bislang unkoordinierten Netzanschlussverfahren wurden durch das Reifegradverfahren adressiert. Dennoch führen insbesondere Unsicherheiten bei Netzentgelten, etwa im Kontext der geplanten AgNes-Reform, dazu, dass Erlöse künftig schwerer planbar werden. Auch flexible Netzanschlussverträge beeinflussen die Wirtschaftlichkeit von Projekten, etwa durch betriebliche Einschränkungen.
Gleichzeitig entstehen neue Erlöspotenziale. Kapazitätsmärkte, die zunehmend marktliche Beschaffung nicht-frequenzgebundener Systemdienstleistungen und mögliche dynamische Netzentgelte könnten zusätzliche Einnahmequellen erschließen. Deren konkrete Ausgestaltung und wirtschaftliche Bedeutung sind jedoch ebenfalls mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.