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Grünstrom-Lieferverträge für Elektrolyseure bis 2030 ausreichend

Grünstrom-Lieferverträge für Elektrolyseure bis 2030 ausreichend
Veröffentlicht am:31. März 2026

Eine neue Analyse des EWI untersucht die Verfügbarkeit von Grünstrom-Lieferverträgen bis 2030. Dabei zeigt sich: Während das Angebot zunächst für die Elektrolyseure reicht, könnte der Wettbewerb zwischen Nachfragesektoren zunehmen.

Auf mehr als 42 TWh könnte die Menge an Grünstrom, welche sich für Lieferverträge entsprechend den EU-Kriterien für „renewable fuels of non-biological origin“ (RFNBOs) eignet, bis zum Jahr 2030 wachsen. Damit könnte auch die potenzielle Stromnachfrage der heimischen Elektrolyse gedeckt werden. Diese Menge würde nicht ausreichen, wenn auch Rechenzentren oder industrielle Verbraucher verstärkt RFNBO-konforme Lieferverträge für ihre Dekarbonisierungsziele abschließen.

Unter dem Titel „RFNBO-Compliant PPAs in Germany: Availability and Competing Demand“ hat das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIKE) die mittelfristige Marktentwicklung von RFNBO-konformen Grünstrom-Lieferverträgen untersucht. Die Analyse stellt das Angebot und die Nachfrage nach Grünstrom-Lieferverträgen gegenüber und analysiert den Wettbewerb zwischen Elektrolyseuren, Rechenzentren, Großwärmepumpen sowie der Industrie. Zudem liefert sie eine regulatorische Einordnung, wie insbesondere die strengen RFNBO-Kriterien das Marktpotenzial in Deutschland beeinflussen.

Regulatorik bestimmt Wettbewerb und Technologiewahl

Die Nachfrage nach grünem Strom könnte bis zum Jahr 2030 um etwa 90 TWh steigen, wobei die regulatorischen Anforderungen je nach Sektor stark variieren. Während die Elektrolyse zwingend die RFNBO-Kriterien erfüllen muss, können die Industrie und Rechenzentren ihre Erneuerbaren-Quoten oft über weniger restriktive Herkunftsnachweise (Guarantees of Origin, GoOs) abdecken. Da Strom in der Wasserstofferzeugung und in Rechenzentren eine deutlich höhere Kostenintensität aufweist als in klassischen Industrieprozessen, verfügen diese Akteure tendenziell über eine höhere Zahlungsbereitschaft für Grünstrom-Lieferverträge, stehen jedoch auch unter einem höheren Preisrisiko.

Auf der Angebotsseite wird das RFNBO-Potenzial maßgeblich durch neue Windkraftanlagen auf See (31 TWh) und Photovoltaik-Großprojekte (10 TWh) gedeckt. Windkraftanlagen an Land tragen hingegen nicht zum RFNBO-konformen Markt bei, da für neue Windkraftanlagen an Land die EEG-Förderung derzeit wirtschaftlich attraktiver ist als Grünstrom-Lieferverträge. Da für die RFNBO-Konformität jedoch zwingend der Bau neuer, ungeförderter Anlagen erforderlich ist, stehen Windenergieanlagen an Land für diesen Markt kaum zur Verfügung und dominieren stattdessen das Segment der ausgeförderten Bestandsanlagen.

Wettbewerb um Kapazitäten kann sich in der Zukunft verschärfen

„Mittelfristig erscheint das Angebot an RFNBO-konformen Grünstrom-Lieferverträgen zwar ausreichend, doch bei einer schnelleren Elektrifizierung oder steigenden Ansprüchen anderer Sektoren könnte der Markt knapp werden“, erklärt Projektleiter Dr. Nils Namockel, der die Analyse gemeinsam mit Pia Hoffmann-Willers und Philipp Theile erstellt hat. Das Team weist darauf hin, dass strukturelle Versorgungsengpässe entstehen könnten, falls sich der Ausbau der Windkraftanlagen an Land verzögert oder andere Sektoren wie Rechenzentren und die Industrie verstärkt RFNBO-Qualitäten für ihre Dekarbonisierungsziele nachfragen.

Methodisch basiert die Untersuchung auf sektorspezifischen Nachfrageprognosen aus der Literatur, Daten zur künftigen Projektpipeline und regulatorischen Vorgaben. Auf der Angebotsseite wurde zwischen neu gebauten, im Betrieb befindlichen und ausgeförderten Anlagen für Wind- und Solarenergie unterschieden. Da tatsächliche Marktdaten für Grünstrom-Lieferverträge oft schwer zugänglich sind, liefert die Analyse Ergebnisse, die das obere Ende des potenziellen Marktvolumens bis zum Jahr 2030 skizzieren.

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