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Kapazitätspreise verteuern Wasserstoff nur moderat

Kapazitätspreise verteuern Wasserstoff nur moderat
Veröffentlicht am:17. Juli 2026

Die Reform der Netzentgelte könnte grünen Wasserstoff gemäß des aktuellen AgNes-Zwischenstands der Bundesnetzagentur um bis zu 32 ct/kg teurer machen. Dies ist weniger, als vor Veröffentlichung des AgNes-Zwischenstands erwartet wurde.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) erarbeitet eine Reform der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom („AgNes“). Einspeiser, Batterien und Elektrolyseure, die bislang keine Netzentgelte zahlen, könnten sich künftig über einen Kapazitätspreis von 4 bis 7 Euro pro Kilowatt und Jahr an der Netzfinanzierung beteiligen. Das EWI zeigt: Die Kosten der Wasserstoffproduktion könnten dadurch um bis zu 32 Cent pro Kilogramm bzw. knapp 6 Prozent steigen.

Das zeigt die Analyse „Auswirkungen der Netzentgeltreform auf die Wasserstoffproduktionskosten“ des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI), die im Auftrag der Förderinitiative Wasserstoff und Moleküle der Gesellschaft zur Förderung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln e.V. erstellt wurde. Sie untersucht die möglichen Auswirkungen des aktuellen AgNes-Zwischenstands der BNetzA auf die Wirtschaftlichkeit von Elektrolyseuren. Mit dem EWI-Optimierungsmodell SOPHIAA wird analysiert, wie sich die geplanten Kapazitätspreise auf die Wasserstoffproduktionskosten auswirken könnten.

Gesteigerte Preise für Stromlieferverträge aus Neuanlagen treiben die Kostensteigerung

Entscheidend ist der Strombezug von Elektrolyseuren: Beziehen Elektrolyseure ihren Strom über Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements – PPAs) aus Bestandsanlagen (Post-EEG), könnten die Produktionskosten um bis zu 10 Cent pro Kilogramm Wasserstoff steigen, also um 2,1 Prozent. Beim Bezug aus Neuanlagen wären es bis zu 32 Cent (5,7 Prozent), da Kapazitätspreise die Fixkosten der Erzeugungsanlagen erhöhen und sich in höheren PPA-Preisen niederschlagen. Der Großteil der Kostensteigerung entfällt beim Strombezug aus Neuanlagen damit auf die Kapazitätspreise für Erneuerbare-Energien-Anlagen und Batterien – also auf höhere Strombezugskosten. Beim Strombezug aus Bestandsanlagen (Post-EEG) bleiben die PPA-Preise durch Kapazitätspreise für Einspeiser unbeeinflusst gemäß der Annahme, dass PPA-Preise bei Bestandsanlagen dem Marktwert entsprechen.

Die Analyse basiert auf dem AgNes-Zwischenstand vom 27. Mai 2026. Die finale Festlegung der neuen Netzentgeltsystematik wird Ende des Jahres 2026 erwartet. Elektrolyseure, die bis zum 4. August 2029 in Betrieb gehen, sollen laut dem Entwurf Vertrauensschutz genießen und wären für 20 Jahre von allen Netzentgelten befreit. Dynamische Netzentgelte, welche ab Mitte der 2030er-Jahre auch für Elektrolyseure denkbar sind, könnten je nach Standort und Ausgestaltung über die in der Analyse berechneten Kostensteigerungen hinausgehen.

Abbildung 1: Erhöhung der Wasserstoffproduktionskosten bei einem Kapazitätspreis von 7 EUR/kWel/Jahr.
Quelle: EWI

Kostenanstieg niedriger als vor Veröffentlichung des AgNes-Zwischenstands erwartet

Branchenverbände hatten vor Veröffentlichung des AgNes-Zwischenstands vor höheren Belastungen gewarnt: Der Deutsche Wasserstoff-Verband bezifferte mögliche Kostensteigerungen durch Netzentgelte auf bis zu 2 Euro pro Kilogramm, der BDEW auf 1,5 bis 3 Euro. Diese Kostensteigerungen wurden unter der Annahme erwartet, dass Elektrolyseure wie Industrieverbraucher kombinierte Kapazitäts- und Arbeitspreise zahlen müssten. Dies entspricht jedoch nicht dem aktuellen AgNes-Zwischenstand, in dem die ausschließliche Zahlung von Kapazitätspreisen diskutiert wird. Wie in unserer Analyse gezeigt, würde die Kostenerhöhung durch die aktuell von der BNetzA geplanten Kapazitätspreise moderater ausfallen.

„Der aktuelle Vorschlag der Bundesnetzagentur würde den Hochlauf der heimischen Elektrolysekapazitäten weniger belasten, als die Branche befürchtet hat. Dennoch kann jede Erhöhung der Wasserstoffproduktionskosten die derzeit noch geringe Wirtschaftlichkeit der Projekte verringern, und somit den Wasserstoffhochlauf weiter verzögern“, sagt Dr.-Ing. Ann-Kathrin Klaas, Head of Research Area am EWI, die die Analyse gemeinsam mit Dr. Lisa Just, David Wohlleben und Carina Schmidt erstellt hat.