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Netzentgeltsystematik Strom: Modellvorschläge von BNetzA & BDEW

Netzentgeltsystematik Strom: Modellvorschläge von BNetzA & BDEW
Veröffentlicht am:29. Mai 2026

Die Modelle der Bundesnetzagentur und des BDEW für die künftige Netzentgeltsystematik Strom unterscheiden sich in vier zentralen Punkten und gewichten Netzentgeltkriterien unterschiedlich, zeigt ein neues EWI-Gutachten.

Für die Reform der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom zum Jahr 2029 stehen zwei Modellvorschläge im Raum, die dieselben übergeordneten Anforderungen adressieren, sich in ihren Schwerpunkten aber deutlich unterscheiden. Die Modelle der Bundesnetzagentur (BNetzA) und des BDEW für die künftige Netzentgeltsystematik Strom unterscheiden sich in vier zentralen Punkten: statische Komponenten, dynamische Komponenten zum Engpassmanagement, Umgang mit Kapazitätsüberschreitungen sowie Einbindung von Niederspannungskunden mit intelligentem Messsystem (iMSys).

In dem Gutachten „Netzentgeltkriterien im Kontext der Anpassungen der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom – Ein Vergleich der Netzentgeltmodelle der BNetzA und des BDEW im Hinblick auf Verbraucher“ vergleicht das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) im Auftrag des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die laufenden Verbrauchernetzentgelte beider Modelle anhand von sieben Kriterien und legt die ihnen zugrunde liegenden impliziten Kriteriengewichtungen offen.

Vier Modellunterschiede prägen den Vergleich

Im Zentrum des Vergleichs stehen vier Unterschiede: die statischen Komponenten, die dynamischen Komponenten zum Engpassmanagement, der Umgang mit Kapazitätsüberschreitungen sowie die Einbindung von Niederspannungskunden mit intelligentem Messsystem (iMSys). Hinzu kommt die Frage, ob im BNetzA-Modell eine Mindestkapazität verpflichtend zu buchen wäre.

Das BNetzA-Modell kombiniert einen Kapazitätspreis mit zwei Arbeitspreisen (AP1 innerhalb, AP2 oberhalb der gebuchten Kapazität) und einem dynamischen Arbeitspreis (AP3) in Engpasssituationen. Das BDEW-Modell sieht dagegen eine garantierte Kapazität (GK), eine vom Netzbetreiber zeitweise einschränkbare optionale Kapazität (OK) sowie einen Überschreitungspreis (ÜP) als Pönale vor. Die Modelle folgen damit unterschiedlichen Logiken im Umgang mit Lastspitzen und Engpässen.

BNetzA und BDEW gewichten Kriterien unterschiedlich

Die Analyse zeigt, dass beide Modelle unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Das BNetzA-Modell setzt stärkere Akzente beim Engpassmanagement auf Übertragungsnetzebene und hält zeitgleich die Verteilungswirkungen gegenüber der aktuellen Netzentgeltsystematik geringer. Das BDEW-Modell adressiert demgegenüber stärker wirtschaftliche Planbarkeit, Kostenreflexivität, Netzdienlichkeit auf Verteilnetzebene sowie Verständlichkeit für Netzkunden. Beide Modelle adressieren damit unterschiedliche Herausforderungen des künftigen Stromsystems.

Parametrierung entscheidet über die tatsächliche Wirkung

Ob die Modellschwerpunkte in der Praxis wirken, hängt wesentlich von der konkreten Parametrierung ab. So entscheiden bspw. die Höhe und das Verhältnis von Kapazitäts-, Arbeits- und Überschreitungspreisen über die Anreize zur netzdienlichen Lastverlagerung und über die Verteilungseffekte zwischen Verbrauchergruppen.

Für die Einführung 2029 ist daher entscheidend, die Parametrierung gemeinsam mit den gewünschten Modellschwerpunkten festzulegen. Längerfristig sollte die Systematik zudem auf Veränderungen des Stromsystems, wie bspw. zunehmende lastgetriebene Verteilnetzengpässe oder neue Flexibilitätsoptionen, reagieren können.

Abbildung: Schwerpunkte der vorgeschlagenen Modelle für eine neue Netzentgeltsystematik Strom