Ein dreifach schnellerer Ausbau von Großbatteriespeichern könnte die Stromkosten für Verbraucher im Jahr 2035 um bis zu 2,8 Milliarden Euro jährlich senken. Das zeigt ein neues EWI-Gutachten.
Mit dem Ausbau von Wind- und Solaranlagen und dem Rückbau steuerbarer Kraftwerke wächst der Bedarf an Flexibilität im deutschen Stromsystem. Großbatteriespeicher sind eine Flexibilitätsoption und könnten die Kosten senken. Bei einem dreifach schnelleren Hochlauf als im verzögerten Hochlaufszenario könnten die variablen Systemkosten im Jahr 2035 um bis zu 1,8 Milliarden Euro niedriger ausfallen. Unsichere Rahmenbedingungen könnten den Hochlauf von Großbatteriespeichern jedoch bremsen.
Für das Gutachten „Nutzen von Großbatteriespeichern im deutschen Stromsystem und Kosten eines verzögerten Ausbaus“ hat das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) im Auftrag der green flexibility development GmbH zwei unterschiedlich schnelle Ausbaupfade verglichen. Während der beschleunigte Pfad bis zum Jahr 2035 eine Speicherleistung von 57 Gigawatt erreicht, kommt der verzögerte Pfad nur auf 19 Gigawatt. Mithilfe des EWI-eigenen Strommarktmodells MELI hat das EWI die Systemeffekte dieser Differenz isoliert betrachtet.
Speicher nutzen Ökostromüberschüsse und dämpfen die Preise
Großbatteriespeicher nehmen überschüssigen Strom in Phasen geringer Nachfrage auf und speisen ihn später wieder ein. Dadurch würde die marktliche Abregelung erneuerbarer Energien im Jahr 2035 um 11 Terawattstunden bzw. knapp die Hälfte sinken. Zugleich würden die Speicher Preisspitzen glätten: Das mittlere Strompreisniveau läge rund 5 Prozent niedriger, und die Preisvolatilität am Großhandelsmarkt ginge um bis zu 26 Prozent zurück, zeigt die Analyse.
Niedrigere Großhandelspreise und sinkende Netzkosten: Über alle Verbrauchsgruppen hinweg ergäben sich dann im Jahr 2035 Einsparungen von bis zu 2,8 Milliarden Euro, im Jahr 2030 von bis zu 1,6 Milliarden Euro. Zugleich würden die Speicher den Marktwert der Photovoltaik stützen (2035: +18 Prozent).
„Speicher sind ein zentraler Baustein für ein kosteneffizientes und sicheres Stromsystem“, sagt Arne Lilienkamp, Project Lead am EWI, der das Gutachten gemeinsam mit Polina Emelianova, Hanna Klar, Jakob Junkermann und Dr. Nils Namockel erstellt hat. „Wichtig sind eine systemdienliche Integration und verlässliche Investitionsbedingungen.“
Speicher stärken die Versorgungssicherheit und entlasten die Netze
Darüber hinaus stärken Großbatteriespeicher die Versorgungssicherheit, indem sie gesicherte Leistung bereitstellen. Im Netz könnten sie den Redispatch-Bedarf senken, Leitungen besser auslasten und den Netzausbau zeitlich strecken. Zugleich verringern sie die Importabhängigkeit bei Erdgas und können somit die Auswirkungen internationaler Preisschocks dämpfen.
