PV-Tracking-Anlagen könnten die Marktintegration von Photovoltaik erhöhen. Die Orientierung am Sonnenstand sorgt für ein breiteres Erzeugungsprofil und mehr Volllaststunden – und damit für höhere Marktwerte gegenüber fest installierten Anlagen.
PV-Anlagen, deren Module dem Sonnenstand nachgeführt werden (sogenannte Tracking-Systeme), erreichen einen höheren Marktwert als festmontierte PV-Anlagen. Eine aktuelle EWI-Analyse vergleicht zwei exemplarische Anlagen für das Jahr 2024 und zeigt: Die nachgeführte Solaranlage hätte einen um 43 Prozent höheren Marktwert erzielt. Bei Betrachtung des Netto-Systemwertes (Differenz zwischen Strom-Marktwert und Kosten für Anlage & Netz) liefern Tracking-Anlagen einen mehr als doppelt so hohen Wertbeitrag gegenüber fest installierten Solaranlagen. Weiterhin könnten durch nachgeführte PV-Anlagen bis zum Jahr 2030 rund 3,2 Mrd. Euro eingespart werden, da die höhere Volllaststundenzahl den Kapazitätsbedarf für die gleiche Solarstromeinspeisung zur Erreichung der EEG-Ziele reduziert.
In der EWI-Analyse „Analyse zum Systemwert von Solar-Nachführsystemen in Deutschland“ untersucht ein Team des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) an der Universität zu Köln im Auftrag von Nextpower LLC, wie einachsige Tracking-Anlagen den Systemwert von Solarstrom steigern könnten. Dazu wurde das Erzeugungsverhalten beider Systeme abgebildet und in Bezug zu den Strompreisen des Jahres 2024 gesetzt. Ergänzt wurde die Analyse um eine Kostenbetrachtung sowie die Betrachtung der Dimensionierung des Netzanschlusses.
Ein zentraler Vorteil der Tracking-Anlagen liegt in der zeitlichen Verteilung der Stromerzeugung. Während fest installierte Anlagen ihre Spitze zur Mittagszeit erreichen, produzieren Nachführsysteme deutlich mehr Strom in den sogenannten „Schulterstunden“ – also am Vormittag und am späten Nachmittag. Da die Strompreise zu diesen Zeiten in der Regel höher sind als während der mittäglichen Einspeisespitze, erzielen Tracking-Anlagen einen höheren Marktwert (siehe Abbildung)

„Obwohl nachgeführte PV-Anlagen teurer sind als festmontierte Anlagen, überwiegt der höhere erzielte Marktwert deutlich“, sagt Dr. Nils Namockel, Project Lead am EWI, der die Analyse zusammen mit Philipp Kienscherf und Lisa Restel verfasst hat. Dies führe zu einem Netto-Systemwert, der mehr als doppelt so hoch ausfalle wie bei konventionellen Anlagen.
Außerdem weisen nachgeführte PV-Anlagen deutlich höhere Volllaststunden auf. Damit können sie die vorhandene Netzkapazität in einem höheren Umfang nutzen als festmontierte Anlagen. Die Analyse zeigt, dass zur Erreichung der EEG-Ziele bis zum Jahr 2030 (80 Prozent Erneuerbaren-Anteil am Bruttostromverbrauch) bei einem theoretisch vollständigen Einsatz von Tracking-Systemen gegenüber festmontierten Anlagen rund 23 Prozent weniger PV-Kapazität notwendig werden könnte. Durch diese Reduktion könnten die Kosten für den Netzausbau bis zum Jahr 2030 um etwa 3,2 Milliarden Euro sinken. „Auch vor dem Hintergrund der aktuell beobachteten Knappheit an Netzanschlüssen kann die Tracking-Technologie damit einen Hebel für eine kosteneffiziente Energiewende darstellen“, sagt Namockel.