Mit der Transformation zu einem klimaneutralen Energiesystem steigen Unsicherheiten und Preisschwankungen auf den Strommärkten. Der massive Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung von Wärme und Verkehr machen die Stromerzeugung wetterabhängiger und die Nachfrage schwerer prognostizierbar. Dies erschwert sowohl die Investitionsentscheidungen der Marktteilnehmer als auch die Steuerungswirkung von Politikinstrumenten. Bestehende Energiesystemmodelle bilden die beobachteten Volatilitäten und Spreads bislang nur eingeschränkt ab.
Das Projekt MERIT verbessert die Modellierung veränderter Risikostrukturen im europäischen Strommarkt und entwickelt Lösungsansätze für ein zukunftsfähiges Risikomanagement. Dazu kombiniert MERIT fundamentale Energiemarktmodelle mit datengestützten, stochastischen und ökonometrischen Methoden. Im Fokus stehen die Treiber von Preisschwankungen an den Kurzfristmärkten (Day-Ahead und Intraday), die Bewertung von Investitionsrisiken sowie die (Wechsel-)Wirkung marktlicher und staatlicher Absicherungsinstrumente wie Futures, Contracts for Difference (CfDs), Power Purchase Agreements (PPAs) und Kapazitätsmechanismen.
Projektziele
- Identifikation und Charakterisierung der Treiber von Preisschwankungen und Investitionsrisiken in künftigen Strommärkten
- Weiterentwicklung fundamentaler Energiemarktmodelle zur realitätsnäheren Abbildung von Volatilität, Spreads und Marktmechanismen
- Bewertung von Investitionsrisiken sowie marktlichen und staatlichen Absicherungsinstrumenten unter verschiedenen Szenarien und Marktdesignoptionen
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für ein robustes Risikomanagement und stabile Investitionsanreize für Marktakteure und politische Entscheidungsträger
Leitfragen
- Welche Faktoren treiben Preisschwankungen in künftigen Strommärkten und wie verändern sie sich mit fortschreitender Energiewende?
- Wie lassen sich Volatilitäten und Spreads der Kurzfristmärkte in fundamentalen Energiemarktmodellen realitätsnäher abbilden?
- Wie wirken Absicherungsinstrumente wie Futures, CfDs, PPAs und Kapazitätsverträge – einzeln und im Zusammenspiel – auf die Investitionsrisiken unterschiedlicher Marktakteure?
- Welche Weiterentwicklungen von Kurzfristmärkten und Hedgingprodukten können Risiken reduzieren und Investitionen in erneuerbare Energien und flexible Technologien fördern?
Die Rolle des EWI in MERIT
Das EWI koordiniert das Verbundvorhaben und leitet die Arbeitspakete „Risiken und Treiber von Preisschwankungen“ (AP 1) sowie „Preisschwankungen in Energiemarktmodellen und Modellentwicklung“ (AP 3).
- Systematische Umfeldanalyse der Treiber von Preisschwankungen und Investitionsrisiken sowie Mitwirkung an der Entwicklung von Szenarien für die langfristige Entwicklung von Unsicherheiten
- Weiterentwicklung des Fundamentalmodells MELI sowie des Intraday-Modells DAISY zur besseren Abbildung von Volatilität, Spreads und neuen Marktdynamiken
- Entwicklung einer modellbasierten Bewertungsmethodik zur systematischen Bewertung von Hedging- und Investitionsentscheidungen unter Unsicherheit
- Durchführung der Modellrechnungen zur Quantifizierung von Preisschwankungen und volkswirtschaftliche Einordnung der Ergebnisse zu systemischen Risiken und Investitionsunsicherheiten