Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln gGmbH

Gasversorgung in der EU ist gesichert

Gasversorgung in der EU ist gesichert

4. Dezember 2019 | Verbraucher*innen in Europa müssen im Winter nicht frieren: Die Versorgung mit Gas ist für diesen Winter gesichert – auch wenn die aktuellen Verhandlungen zwischen der EU-Kommission, dem russischen Unternehmen Gazprom und dem ukrainischen Unternehmen Naftogaz über die Gaslieferungen aus Russland über die Ukraine nach Europa scheitern sollten. Zehn Jahre nach dem russisch-ukrainischen Gaskonflikt läuft der derzeitige Vertrag über die Gaslieferungen zum Jahresende aus.

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) hat in der Studie „The Trilateral Gas Talks: What would an interruption of Russian gas exports via Ukraine mean for EU consumers?“ untersucht, wie sich ein Scheitern der Verhandlungen und eine resultierende Unterbrechung der Gaslieferungen, wie im Jahr 2009, auf Verbraucher*innen in Europa auswirkt.

Bei Lieferstopp steigt Gaspreis in Deutschland um 5 bis 7 Prozent im Januar 2020

Eine dreimonatige Unterbrechung der russischen Gaslieferungen durch die Ukraine im ersten Quartal 2020 würde beispielsweise im Januar 2020 zu einer Reduktion von russischen Gasexporten in die EU um etwa 6,3 Mrd. Kubikmeter führen. „Die Versorgungssicherheit wäre aber in keinem der EU-Staaten bedroht, das gilt für alle betrachteten Szenarien“, sagt EWI-Manager Dr. Simon Schulte. So würden Gasspeicher etwa 83 Prozent (+5,2 Mrd. Kubikmeter) und zusätzliche Flüssiggasimporte etwa 14 Prozent (+0,9 Mrd. Kubikmeter) der Versorgungslücke schließen. „Die Gaspreise würden zwar steigen, in den meisten Mitgliedsländern jedoch relativ moderat, zumindest in Nordwesteuropa“, sagt Schulte (Finnland 0 Prozent, Deutschland +5 Prozent, Griechenland +45 Prozent).

Durchschnittliche Preisunterschiede im Januar 2020 im Fall einer Lieferunterbrechung

„Auch im Extremszenario, bei einem Kälteeinbruch zusätzlich zum dreimonatigen Stopp der Gaslieferungen, wäre die Gasversorgung in der EU im betrachteten Zeitraum weiterhin gesichert“, sagt Schulte. „Es käme aber zu höheren Preisanstiegen“ (Deutschland +7 Prozent, Griechenland +56 Prozent). Die Studie basiert auf den beiden EWI-eigenen Gasmarktmodellen TIGER (hochauflösendes Modell des europäischen Gasnetzes) und COLUMBUS (Gleichgewichtsmodell des globalen Gas- und LNG-Markts).

Volle Gasspeicher und gut vernetztes Verbundsystem

Dass die Gasversorgung in Europa auch bei einem Kälteeinbruch nicht gefährdet ist, hat mehrere Gründe. „Der europäische Gasmarkt ist aktuell gut aufgestellt“, sagt EWI-Manager Dr. Schulte. „Die Gasspeicher sind immer noch nahezu maximal gefüllt, die Gaspreise befinden sich auf einem mehrjährigen saisonalen Tiefstand.“ Außerdem sei das europäische Gasverbundsystem deutlich besser aufgestellt als im Jahr 2009.

Simulierte aggregierte Gasspeicher in den betrachteten Szenarien

„Seit der Gasversorgungskrise in 2009 hat die EU in das europäische Verbundsystem investiert und einen hohen Standard erreicht“, sagt Schulte. „Dazu zählen etwa neue innereuropäische Fernleitungen, Flüssiggasterminals, aber auch die nicht durch die EU finanzierte Importpipeline Nord Stream.“ Lediglich die Länder in Südosteuropa müssten noch besser in das europäische Verbundsystem integriert werden.