Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln gGmbH

Die integrierte Energiewende stockt in Deutschland

Die integrierte Energiewende stockt in Deutschland
Eine Analyse von dena und EWI zeigt: In vielen Bereichen stockt die Energiewende.

16. September 2019 | In vielen Bereichen stockt die Energiewende. Verschiedene Kennzahlen zeigen, dass derzeit die Anreize für eine schnelle und sektorübergreifende Reduktion der Treibhausgasemissionen nicht gegeben sind. So ist der Endenergieverbrauch in den Sektoren Verkehr, Gebäude und Industrie seit 2015 weiter gestiegen anstatt zu sinken. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt zuletzt nur schleppend voran. Das zeigt die gemeinsame Kurzstudie „Impuls zur aktuellen klimapolitischen Debatte – Einschätzungen auf Basis der dena-Leitstudie Integrierte Energiewende“ der Deutschen Energie-Agentur (dena) und des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI).

In der Analyse werden die Veränderungen zwischen 2015 (Basisjahr der dena-Leitstudie) und heute mit den Transformationspfaden und Modellergebnissen im Jahr 2030 verglichen. Die Zahlen des EWI zeigen: Die in der dena-Leitstudie angenommenen Effizienzverbesserungen in den Sektoren sind nicht zu sehen. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien wird vor allem bei der Windenergie ein deutlicher Rückgang erwartet.

Defizite bei EE-Ausbau, Elektroautos und Gebäuden

Max Gierkink, Manager am EWI: „Die in der dena-Leitstudie angenommenen Verbrauchsrückgänge und EE-Ausbaupfade zeichnen sich nicht ab. Für die Szenarien der dena-Leitstudie bedeutet das, dass die dort abgebildeten Entwicklungen später einsetzen und bis 2030 eine höhere Transformationsgeschwindigkeit nötig ist, um die Klimaziele noch erreichen zu können.“

In der Analyse beziffern die Autoren die Defizite:

  • Der erwartete EE-Ausbau liegt bei jährlich 1,7 Gigawatt netto. Das ist nur knapp ein Drittel der bis 2030 mindestens benötigten 6 Gigawatt pro Jahr.
  • Der Endenergieverbrauch in der Industrie ist von 2015 bis 2017 um 9 Terawattstunden gestiegen. Dabei müsste er bis 2030 um 32 Terawattstunden sinken, bei gleichzeitig steigendem Bruttoinlandsprodukt.
  • Der Endenergieverbrauch im Verkehr ist zwischen 2015 und 2017 um 22 TWh gestiegen. Der notwendige Rückgang bis 2030 liegt hier sogar bei 174 Terawattstunden.
  • Die Zahl an Elektrofahrzeugen ist zwischen 2015 und 2018 um 30.000 gestiegen, notwendig wäre aber ein Zuwachs von durchschnittlich 460.000 Fahrzeugen pro Jahr, bei Erdgasfahrzeugen sind die Zahlen ähnlich deutlich.
  • Im Gebäudesektor liegt die Sanierungsrate bei rund 1 Prozent pro Jahr, 2018 sogar nur 0,8 Prozent. Laut der dena-Leitstudie hätte sie ab 2015 auf 1,4 Prozent steigen müssen. Um bei den Sanierungen wieder auf Kurs zu kommen, müsste die Rate auf 1,5 Prozent steigen.
  • Auch bei den Wärmepumpen geht es langsamer voran, als geplant. Zwar werden mehr Wärmepumpen installiert, allein in 2018 waren es 84.000 Stück. Notwendig wären aber mehr als 200.000 Stück pro Jahr.

Aufbauend auf der Analyse der Kennzahlen durch das EWI werden umfangreiche Handlungsempfehlungen von der dena erarbeitet, damit Deutschland das selbstgesteckte Klimaziel 2030 noch erreichen kann.