Die Industriequote in der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie III (RED III) sieht vor, dass im Jahr 2030 42 % und im Jahr 2035 60 % des industriell genutzten Wasserstoffs durch grünen Wasserstoff gedeckt werden. Die Quote ist auf Ebene der Mitgliedstaaten definiert. Damit stellt sich für die nationale Umsetzung die Frage, mit welchen regulatorischen Instrumenten der Einsatz von grünem Wasserstoff in der Industrie angereizt werden kann und welche Kostenwirkungen daraus entlang industrieller Wertschöpfungsketten entstehen.

Die vorliegende Studie untersucht die Kostenwirkungen des Einsatzes von grünem Wasserstoff anhand zweier ausgewählter Wertschöpfungsketten. Betrachtet werden zum einen die Ammoniakproduktion und deren Weiterverwendung über Stickstoffdünger in landwirtschaftlichen Produktpfaden. Zum anderen wird die wasserstoffbasierte Primärstahlproduktion und deren Weiterverwendung in der Automobilindustrie analysiert. Die Analyse verdeutlicht einen Zielkonflikt bei der Ausgestaltung zusätzlicher Instrumente zur Erfüllung der Industriequote. Ein Ansatzpunkt auf der ersten Stufe der Wertschöpfungskette, also dort, wo Wasserstoff eingesetzt wird, ist regulatorisch vergleichsweise einfach: Es gibt wenige Akteure, standardisierte Produkte und einen gut messbaren Wasserstoffeinsatz. Gleichzeitig treffen die Mehrkosten zunächst vorgelagerte Akteure, die häufig im internationalen Wettbewerb stehen und nur begrenzte Möglichkeiten zur Kostenweitergabe haben. Ein Ansatzpunkt auf späteren, marktnäheren Stufen kann die Weitergabe von Mehrkosten erleichtern und potenzielle Zahlungsbereitschaften besser adressieren. Gleichzeitig steigen dort die Anforderungen an Nachweis, Zuordnung und regulatorische Umsetzung erheblich.