Die Energiewende steht vor zahlreichen Herausforderungen. Bei der EWI-Energietagung 2026 in Köln diskutierten Fachleute über Energiekosten und Energiesicherheit, Netz(entgelt)regulierung und die Integration dezentraler Flexibilitäten.
Die Energiewende steht im Spannungsfeld zwischen regulatorischen, politischen und wirtschaftlichen Anforderungen. Diese Spannungen prägten die Diskussionen der zahlreichen Fachleute aus Energieökonomik und -praxis bei der EWI-Energietagung 2026. Entsprechend drehten sich die Vorträge um den Wirtschaftsstandort Deutschland sowie die Auswirkungen der Energietransformation auf Strommarkt, Stadtwerke, Industrie und Gesellschaft. Außerdem gab es Schwerpunkte zur Transformation des Industrielandes NRW sowie zur Heterogenität und Komplexität der Wärmewende.
„Die geopolitischen und geoökonomischen Machtverhältnisse verändern sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit“, sagte EWI-Direktor Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge bei der Eröffnung der Veranstaltung in Köln. Die äußeren Veränderungen und inneren Widersprüche seien in der Tat geeignet, die Energiewende unter Druck setzen. „Wichtig wäre in dieser Situation eine kohärente, in sich schlüssige Strategie, welche die Klima- und Energiepolitik mit anderen eng damit verbundenen Politikfeldern zusammendenkt, insbesondere mit der Industrie-, Technologie-, Finanz-, Sozial- und Sicherheitspolitik.“
Unter den mehr als 300 Gästen waren prominente Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, wie Dr. Christoph Müller (CEO Amprion), Kerstin Andreae (Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung und Mitglied des Präsidiums BDEW), Klaus Müller (Präsident Bundesnetzagentur), Prof. Dr. Veronika Grimm (Mitglied des Sachverständigenrats Wirtschaft), Holger Lösch (stv. Hauptgeschäftsführer BDI Bundesverband der Deutschen Industrie), Katja Wünschel (CEO RWE Renewables Europe & Australia), Julien Mounier (Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Düsseldorf), Heike Heim (Aufsichtsratsvorsitzende EWI), Prof. Dr. Dieter Bathen (Vorstandsvorsitzender Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft), Sylwia Bialek-Gregory, Ph.D. (Wissenschaftliche Geschäftsführerin EWI) und Jun.-Prof. Oliver Ruhnau (Universität zu Köln und EWI).
„Wir brauchen jetzt das richtige Netz zur richtigen Zeit – und die notwendigen Kapazitäten und Regeln für einen sicheren Systembetrieb“, sagte Dr. Christoph Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung des Netzbetreibers Amprion in seinem Impulsvortrag zum Thema integrierte Systembetrachtung als Hebel für Kosteneffizienz. „Integrierte Systembetrachtung heißt, Effizienzen beim Zusammenspiel von Markt und Netz zu erkennen und dann auch zu heben.“
„Wir diskutieren seit Jahren über Modelle – doch gebaut werden Kraftwerke nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung und Mitglied des Präsidiums des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW. „Wer Versorgungssicherheit will, muss Investitionen heute möglich machen.“
„Wir müssen das System reformieren, nach dem Stromnetzentgelte erhoben werden“, forderte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. „Erstens wird die Zahl der Nutzer immer kleiner, die in voller Höhe Entgelte zahlen – bei gleichzeitig steigenden Kosten. Wir haben zweitens keine ausreichend wirksamen Signale, wie und wo Anlagen kostengünstig betrieben werden können, um einen unnötig teuren Ausbau der Netze zu vermeiden. Drittens gibt es im System heute keine Anreize, die flexibles Verhalten belohnen, eher im Gegenteil. Ziel der Bundesnetzagentur ist es, die Netzentgeltsystematik zukunftsfähig zu machen und an die Bedürfnisse der Energiewende anzupassen. Diese Aufgabe wird unsere Arbeit im Jahr 2026 stark prägen.“
„Die energieintensive Wirtschaft ist unter massivem Druck, die Wertschöpfungsketten ordnen sich gerade neu. Mit Subventionen ist den Herausforderungen nicht beizukommen“, sagte Prof. Dr. Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats Wirtschaft. „Eine auf Kosteneffizienz fokussierte Energiepolitik muss daher einhergehen mit strategischen internationalen Kooperationen, so dass der Standort durch den Strukturwandel gestärkt und nicht geschwächt wird.“
Das Programm der EWI-Energietagung 2026 erstreckte sich über zwei Veranstaltungstage. Zum Auftakt begrüßten Heike Heim (Aufsichtsratsvorsitzende EWI), Prof. Dr. Dieter Bathen (Vorstandsvorsitzender Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft) sowie Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge (Direktor EWI) die Teilnehmenden.
Darauf folgte ein virtuell zugeschalteter Vortrag von Christian Schmidt, Leiter der Abteilung Strom im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Durch diesen Programmpunkt führte Gerald Braunberger, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Anschließend gab Prof. Dr. Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats Wirtschaft, mit einem Impuls zum Thema „Wirtschaftsstandort Deutschland – Lage, Ausblick und die Rolle der Energiekosten“ den inhaltlichen Rahmen für das erste Panel vor. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge, Prof. Dr. Veronika Grimm, Holger Lösch (stellvertretender Hauptgeschäftsführer BDI Bundesverband der Deutschen Industrie) sowie Dr. Stephan Müller (Energy Commercial Manager INEOS). Moderiert wurde das Panel von Gerald Braunberger.

Nach einer Kaffeepause stand das Panel „Marktdesign für die Energie der Zukunft – Herausforderungen und Gestaltungsoptionen“ auf dem Programm. Impulse und Diskussionsbeiträge kamen von Kerstin Andreae (Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung und Mitglied des Präsidiums BDEW), Sven Becker (Sprecher der Geschäftsführung Trianel), Dr. Hendrik-Sebastian Schmitz (Energiemärkte Monopolkommission) sowie Jun.-Prof. Dr. Oliver Ruhnau (EWI). Die Moderation dieses Panels übernahm Prof. Dr. Sven-Joachim Otto (Ruhr-Universität Bochum).

Es folgte der Programmpunkt „Deep Dive: Dezentrale Flexibilität“. An der Diskussion beteiligten sich Dr. Janina Ketterer (Head of German System Change Octopus Energy Germany), Michael Lucke (Geschäftsführer Allgäuer Überlandwerk) sowie Philipp Kienscherf (Head of Research Area EWI). Durch das Panel führte Christina Sternitzke (Geschäftsführerin Gesellschaft zur Förderung des EWI e.V.).

Der zweite Veranstaltungstag begann nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge mit einem Impulsvortrag von Paul Frederik Höller, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.
Im Anschluss diskutierten Dr. Jan Volker Heinisch (stellvertretender Fraktionsvorsitzender CDU im Landtag NRW), Jochen Ott (Fraktionsvorsitzender SPD im Landtag NRW), Wibke Brems (Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im Landtag NRW) sowie Dr. Uwe Vetterlein (Hauptgeschäftsführer Industrie- und Handelskammer zu Köln) über die Frage „Industrieland NRW: Transformation wohin?“. Moderiert wurde die Runde von Gerald Braunberger.

Das Panel „Integrierte Systembetrachtung: Hebel für die Kosteneffizienz?“ folgte im weiteren Verlauf des Vormittags. Diskutiert wurde von Dr. Christoph Müller (Vorsitzender der Geschäftsführung Amprion), Katja Wünschel (CEO RWE Renewables Europe & Australia) sowie Dr. Philip Schnaars (Head of Research Area und Prokurist EWI). Die Moderation lag bei Holger Gassner (Geschäftsführer BDEW Landesgruppe NRW).

Anschließend hielt Prof. Dr. Kai Hufendiek (Institutsleiter IER Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung Universität Stuttgart) einen Vortrag zum Thema „Wärmewende: Heterogenität und Komplexität verhindern einfache Lösungen“. In der darauffolgenden Diskussion brachten Prof. Dr. Kai Hufendiek, Julien Mounier (Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Düsseldorf AG), Dr. Frank Voßloh (Geschäftsführer Viessmann Deutschland) sowie Dr. Ann-Kathrin Klaas (Head of Research Area Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln) ihre Perspektiven ein. Das Gespräch wurde von Thomas Mehrer (Geschäftsführer Siegener Versorgungsbetriebe) moderiert.

Nach der Kaffeepause referierte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, zum Thema „Netz(entgelt)regulierung: Quo vadis?“. An der anschließenden Diskussion beteiligten sich Klaus Müller, Sylwia Bialek-Gregory, Ph.D. (Wissenschaftliche Geschäftsführerin EWI) sowie Dr. Stefan Richter (Vice President Regulatory Management & Grid Economics E.ON SE). Die Moderation übernahm Dr. Alexander Kox (Geschäftsführer BET Consulting).

Zum Abschluss der Tagung gaben Dr. Frank Umbach (Forschungsleiter Europäisches Cluster für Klima-, Energie- und Ressourcensicherheit Universität Bonn) und Dr. Torsten Sevecke (Direktor und Fakultätsleiter gesamtstaatliche Risikovorsorge Führungsakademie der Bundeswehr) Impulse zum Thema „Energiesicherheit für Deutschland: Achillesferse Importabhängigkeit?“. Die anschließende Diskussion mit Dr. Frank Umbach, Dr. Torsten Sevecke und Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge moderierte Gerald Braunberger.

Die EWI-Energietagung endete mit einer abschließenden Zusammenfassung durch Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge.
Die EWI-Energietagung fand in Kooperation mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft (JRF), deren Mitglied das EWI ist, statt.
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